Im Arbeitsalltag begegnen uns immer wieder zwei Phänomene, die maßgeblich die Produktivität und das Betriebsklima beeinflussen: Präsentismus und Absentismus. Doch was genau versteht man darunter, wie verbreitet sind diese Verhaltensweisen – auch in Österreich und Europa – und welche Vor- und Nachteile bringen sie mit sich? In diesem Artikel geben wir Ihnen einen umfassenden Überblick und zeigen, wie Sie diese Herausforderungen erkennen und angehen können.
Was ist Präsentismus?
Präsentismus beschreibt das Verhalten von Mitarbeitenden, die trotz Krankheit oder gesundheitlicher Einschränkungen zur Arbeit kommen. Sie sind zwar physisch anwesend, können aber oft nicht ihre volle Leistung erbringen. Gründe sind unter anderem Angst vor Arbeitsplatzverlust, hoher Leistungsdruck oder eine starke Identifikation mit dem Job.
Was ist Absentismus?
Absentismus bezeichnet das häufige und unentschuldigte Fehlen am Arbeitsplatz. Es handelt sich dabei um das Gegenteil von Präsentismus: Mitarbeitende fehlen, obwohl sie eigentlich arbeitsfähig wären. Ursachen können Unzufriedenheit, mangelnde Motivation oder private Probleme sein.

Wie verbreitet sind Präsentismus und Absentismus in Österreich?
In Österreich zeigen Studien, dass Präsentismus ein weit verbreitetes Phänomen ist. Laut einer Studie der Arbeiterkammer Österreich gaben rund 60 % der Befragten an, mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen zu sein. Die Produktivitätsverluste durch Präsentismus werden dabei als erheblich eingeschätzt – oft höher als jene durch Absentismus.
Der Absentismus in Österreich liegt branchenübergreifend durchschnittlich bei etwa 4 bis 6 % der Arbeitszeit. Besonders betroffen sind Branchen mit hoher körperlicher Belastung und starkem Zeitdruck.
Branchen mit besonders hohem Präsentismus und Absentismus
- Gesundheitswesen: Hier ist Präsentismus häufig, da Mitarbeitende trotz Krankheit nicht ausfallen wollen – aus Sorge um Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig sind krankheitsbedingte Fehlzeiten (Absentismus) aufgrund der körperlichen und psychischen Belastungen ebenfalls hoch.
- Bildungssektor: Lehrkräfte zeigen oft Präsentismus, um Unterrichtsausfälle zu vermeiden, gleichzeitig ist der Absentismus durch Stress und Burnout ebenfalls erhöht.
- Industrie und Produktion: Hoher Zeitdruck und Schichtarbeit führen zu beiden Phänomenen, wobei Absentismus durch körperliche Belastungen besonders ausgeprägt ist.
- Dienstleistungssektor: Hier sind sowohl Präsentismus als auch Absentismus durch psychische Belastungen und hohe Kundenanforderungen relevant.

Präsentismus und Absentismus in Europa: Ein Länderüberblick
Präsentismus und Absentismus sind in ganz Europa verbreitet, doch die Ausprägungen variieren stark von Land zu Land – beeinflusst durch kulturelle, wirtschaftliche und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen.
| Land | Präsentismus (Anteil der Beschäftigten, die krank zur Arbeit gehen) | Absentismus (Fehlzeitenquote %) | Besonderheiten |
| Niederlande | Ca. 30 % | Ca. 3 % | Niedrige Präsentismus- und Absentismusraten, starke Förderung von Work-Life-Balance und Gesundheitsmanagement |
| Deutschland | Ca. 60-70 % | Ca. 4-5 % | Hoher Präsentismus, moderater Absentismus, hoher Leistungsdruck |
| Österreich | Ca. 60 % | Ca. 4-6 % | Ähnlich wie Deutschland, besonders betroffen: Gesundheitswesen, Bildung |
| Frankreich | Ca. 40-50 % | Ca. 5-6 % | Moderater Präsentismus, relativ hohe Fehlzeiten durch Krankheit |
| Schweden | Ca. 35 % | Ca. 6-7 % | Höhere Absentismusraten, aber geringerer Präsentismus, gutes Sozialversicherungssystem |
| Spanien | Ca. 50-60 % | Ca. 3-4 % | Relativ hoher Präsentismus, niedrigere Fehlzeitenquote |
| Italien | Ca. 45% | Ca. 6.7% | Moderate Präsentismusraten, höhere Fehlzeiten durch Krankheit |
Was erklärt die Unterschiede?
Arbeitskultur: In Ländern mit starkem Leistungs- und Konkurrenzdruck wie Deutschland und Österreich ist Präsentismus besonders ausgeprägt.
Arbeitsrecht und Sozialversicherung: Länder mit großzügigen Krankheitsregelungen (z. B. Schweden) zeigen tendenziell höhere Absentismusraten, aber geringeren Präsentismus.
Gesundheitsbewusstsein und Unternehmenskultur: Länder mit stärkerem Fokus auf Gesundheit und Prävention (z. B. Niederlande) weisen niedrigere Raten beider Phänomene auf
Vor- und Nachteile von Präsentismus
Vorteile:
- Kurzfristig können wichtige Deadlines eingehalten werden.
Nachteile:
- Langfristig sinkt die Produktivität durch verminderte Leistungsfähigkeit.
- Erhöhtes Risiko für längere Erkrankungen.
- Gefährdung der Gesundheit der Kolleg:innen.
- Negative Auswirkungen auf das Teamklima und die Arbeitsqualität.

Tipps: Wie erkennen Sie Präsentismus und Absentismus im Unternehmen?
| Präsentismus erkennen: – Mitarbeitende wirken müde, unkonzentriert oder weniger produktiv. – Häufige Krankheitsanzeichen, die nicht zu Fehlzeiten führen. – Überstunden trotz gesundheitlicher Beschwerden. – Feedbackgespräche und Umfragen | Absentismus erkennen: – Häufige und unentschuldigte Fehlzeiten. – Muster in den Fehlzeiten, z. B. immer montags oder freitags. – Negative Stimmung oder Unzufriedenheit im Team. – Erhöhte Belastung und Überstunden bei anderen Mitarbeitenden. |
Tipps zur Reduzierung von Präsentismus und Absentismus im Unternehmen
1. Gesundheitsfördernde Unternehmenskultur schaffen
Fördern Sie ein Arbeitsumfeld, in dem Gesundheit und Wohlbefinden einen hohen Stellenwert haben. Das bedeutet auch, dass Mitarbeitende sich trauen, krank zu Hause zu bleiben, ohne negative Konsequenzen zu fürchten.
2. Flexible Arbeitsmodelle anbieten
Homeoffice, Gleitzeit oder Teilzeitmodelle können helfen, Stress zu reduzieren und Mitarbeitende zu entlasten. So können sie auch bei leichten gesundheitlichen Beschwerden produktiv bleiben, ohne sich zu überfordern.
3. Klare Kommunikation und Führungstraining
Führungskräfte sollten geschult werden, um Anzeichen von Überlastung frühzeitig zu erkennen und offen mit Mitarbeitenden über Gesundheitsthemen zu sprechen. Eine wertschätzende und unterstützende Führung fördert das Vertrauen.
4. Präventive Gesundheitsmaßnahmen etablieren
Bieten Sie regelmäßige Gesundheitschecks, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Stressmanagement-Workshops oder Bewegungsprogramme an. Prävention hilft, Krankheiten vorzubeugen und die Leistungsfähigkeit zu erhalten.
5. Fehlzeiten transparent und fair managen
Analysieren Sie Fehlzeitenmuster und sprechen Sie frühzeitig mit Mitarbeitenden, wenn Auffälligkeiten auftreten. Gleichzeitig sollten klare Regeln gelten, die Fehlzeiten fair und nachvollziehbar regeln.

6. Arbeitsbelastung realistisch gestalten
Überlastung ist eine Hauptursache für Präsentismus und Absentismus. Sorgen Sie für eine ausgewogene Arbeitsverteilung und realistische Zielsetzungen, um Burnout und Erschöpfung vorzubeugen.
7. Unterstützung bei psychischen Belastungen anbieten
Psychische Gesundheit wird oft unterschätzt. Bieten Sie Zugang zu Beratungsangeboten oder Employee Assistance Programs (EAP) an, um Mitarbeitende bei Stress, Angst oder anderen Problemen zu unterstützen.
Fazit: Sowohl Präsentismus als auch Absentismus sind Herausforderungen für Unternehmen – auch in Österreich und ganz Europa. Während Präsentismus oft aus Angst und Druck resultiert, kann Absentismus ein Zeichen für Unzufriedenheit sein. Eine offene Unternehmenskultur, die Gesundheit und Wohlbefinden fördert, ist der Schlüssel, um beide Phänomene zu reduzieren. So profitieren Mitarbeitende und Unternehmen gleichermaßen von einem gesunden Arbeitsumfeld.
Quellen
Arbeiterkammer Österreich (2022): Präsentismus in Österreich – Ursachen und Auswirkungen
Gesundheitsförderung Schweiz (2021): Studie zu Präsentismus und Absentismus in der Schweiz und Österreich
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Österreich (BMASGK) (2023): Arbeitsklima und Fehlzeiten in Österreich
Eurofound (2020): Absenteeism and Presenteeism in Europe: Patterns and Implications
European Agency for Safety and Health at Work (EU-OSHA) (2019): Work-related Stress, Absenteeism and Presenteeism in Europe
OECD (2021): Sickness Absence and Labour Market Outcomes Moderate Präsentismusraten, höhere Fehlzeiten durch Krankheit





